Hier werden die Diskussionsergebnisse der Fallbeispiele aus den Themengebieten zusammengefasst dargestellt.
Fall 2 vom 26.06.2023:
Softskills und Verhaltensregeln als Auditor:
Guten Tag zusammen,
ich bin VDA6.3 Lieferantenauditor und bin mir in einigen Lieferanten-Auditoren-Beziehungen unsicher, wie ich mich am besten
in manchen Situationen verhalten sollte. Gerade bei Mittag- / Abendessen Einladungen, Firmengeschenke…..etc.Welche Chancen & Risiken sehen Sie hierzu?
Welche Verhaltensregeln bzw. Empfehlungen haben Sie?
Ergebnisse der Diskussion
Im Fall 2 ging es um die Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Einladungen zu Geschäftsessen, Firmengeschenken usw. und den entsprechenden Verhaltensregeln bzw. Empfehlungen für den Auditor.
Die Diskussion erörterte, dass keine Geschenke angenommen werden sollten, um jeglichen Anschein von Bestechung zu vermeiden. Es wurde jedoch betont, dass geschäftsübliche Abendessen und Mittagessen akzeptabel seien, solange sie sich an kulturell angemessenes und normales Geschäftsgebaren halten. Dabei wurde als Richtwert ein Betrag von unter 25 Euro genannt. Die Einhaltung interner Richtlinien und der gesunde Menschenverstand wurden als wichtige Leitlinien genannt.
Es wurde empfohlen, die Risiken und Chancen im Zusammenhang mit solchen Einladungen zu berücksichtigen. Der Auditor sollte sicherstellen, dass keine Bestechung oder unethisches Verhalten stattfindet und im Voraus klare Informationen an den Lieferanten kommunizieren, welche Art von Geschenken oder Einladungen nicht akzeptabel sind.
Des Weiteren wurde darauf hingewiesen, dass bei der Auswahl von Orten für Geschäftsessen oder -veranstaltungen darauf geachtet werden sollte, dass diese keine unnötigen Risiken oder Konflikte mit dem Auditplan verursachen. Es sollte vermieden werden, an Orte zu gehen, die einen zu großen Abstand zum Arbeitsplatz des Lieferanten haben oder die einen unangemessenen Aufwand darstellen, der die Auditaktivitäten beeinträchtigen könnte.
Zusätzlich wurde diskutiert, wie sich der Auditor verhalten sollte, wenn der Lieferant während des Essens über Probleme und Schwierigkeiten spricht. Dabei wurde betont, dass der Auditor Verständnis zeigen sollte, aber gleichzeitig die objektive Bewertung der Risiken und die Einhaltung der Anforderungen im Blick behalten muss. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Situation nicht als Prüfung, sondern als Chance zur Identifizierung von Risiken und zur Verbesserung der Prozesse des Lieferanten betrachtet werden sollte.
Insgesamt wurde empfohlen, eine angemessene Distanz zum Lieferanten zu wahren und sich auf eine professionelle und objektive Durchführung des Audits zu konzentrieren.
Fall 9 vom 27.11.2023:
Softskills und Verhaltensregeln als Auditor:
Bei meinem letzten VDA6.3 Lieferantenaudit hatte ich folgende Situation:
Aufzeichnungen zur Requalifikationsprüfung eines Kunststoffspritzteils. Die Aufzeichnungen ergaben geringfügige maßliche Abweichungen bei einem Radius SOLL: 12 +-0,2 IST: 12,23. Es ist kein besonderes Merkmal. Der Produktionsleiter sagte, dieser Radius ist eh sehr schwierig zu messen.Frage an das Forum:
1. Wie sollte ich mich am besten in so einer Auditsituation verhalten ?
Ergebnisse der Diskussion im Forum
Technische und Qualitätsaspekte: Es wurde gefragt, warum grundsätzlich an der Toleranzgrenze gearbeitet und sind die Werkzeuge zur Fertigung des Radius angemessen wird?
Bedeutung der Aufzeichnungen: Aufzeichnungen sind gerichtsrelevant; eine genaue Messung und Dokumentation ist wichtig
Softskills und Ursachenforschung: Der Auditor sollte beratend vorgehen, nach der Ursache für das Arbeiten an der Toleranzgrenze fragen und die Eignung der Werkzeuge überprüfen.
Interne Maßstäbe: Selbst wenn interne Maße zusätzliche Toleranzen haben, ist darauf zu achten, dass diese nicht überschritten werden.
Umgang mit dem Produktionsleiter: Es ist wichtig, den Produktionsleiter „abzuholen“ und ihn über weitere relevante Merkmale und Systematiken zu befragen. Dabei sollte das Vorgehen einfühlsam und nicht konfrontativ sein.
Fazit: In der beschriebenen Auditsituation ist es wichtig, sowohl technische als auch qualitative Aspekte zu berücksichtigen. Der Auditor sollte durch gezielte Fragen die Ursachenforschung betreiben, dabei aber auch auf Softskills und eine nicht konfrontative Kommunikation achten, um das Verständnis und die Einsicht des Produktionsleiters zu fördern.